Labile Finanzmärkte: Gut gemeint reicht oft nicht! Über Rettungspakete.
Anfang der letzten Woche durfte die Hypo Real Estate (HRE) sich als gerettet fühlen. Am Donnerstag war das nicht mehr so klar, da die rettenden Banken sich nicht einigen konnten. Freitag gab es Entwarnung und jetzt ist das Paket wieder offen.
Ähnliches machten Anleger beim US-Rettungspaket mit. Jetzt ist das Paket durch und die Börsen geben dennoch nach. Das ist nicht einmal überraschend: Denn das Vertrauen ist weg und diverse Zinssätze spielen verrückt. So zum Beispiel der US-Interbankensatz ist hoch wie selten. Der Interbankensatz ist der Zinssatz zu dem Banken sich untereinander Geld leihen. Ist dieser - wie derzeit - auch bei kurzfristigen Engagements sehr hoch, spricht das für einen Mangel an Vertrauen.
Die Zentralbanken haben das Geschäftsbankensystem seit Wochen mit riesigen Liquiditätsmengen geflutet und dennoch wollen die Banken untereinander kein Geld verleihen. Das sind dramatische Aussichten. Und ein Zeichen dafür, dass das Rettungspaket der US-Regierung wirkungslos verpuffen könnte.
Die Wochen der Angst im Blick
Ohnehin dürften die Akteure in den Vorstandszimmern, bei den Zentralbanken und unter den Finanzministern momentan eher im Ratehaus sitzen. Jeder will das Gesamtsystem retten. Nur keiner kann sicher sein, welche Maßnahme jetzt richtig und wirkungsvoll sein wird. Jede unbedachte Äußerung könnte eine Lawine auslösen.
Vielleicht wäre es richtig, auf Hilfspakete ganz zu verzichten und nur das zu tun was die Bundesregierung am Wochenende getan hat. Ein transnationales Hilfspaket abzulehnen und Garantien auszusprechen: Die Spareinlagen bei Banken werden quasi-garantiert. Der Staat scheint bereit zu sein, für fast 600 Milliarden Euro Einlagen seiner Bürger einzustehen. Zumindest kann man Äußerungen von Angela Merkel in Berlin dahingehend interpretieren. Sogar die New York Times berichtet in ihrer morgigen Ausgabe über die Staatsgarantien.
Die Financial Times Deutschland zitiert Peer Steinbrück mit den Worten: “Ich möchte unterstreichen, dass (…) wir dafür Sorge tragen wollen, dass die Sparerinnen und Sparer in Deutschland nicht befürchten müssen, einen Euro ihrer Einlagen zu verlieren.”Das könnte eine wirkungsvolle Maßnahme sein, um eine Panik unter privaten Sparern zu vermeiden. Das muss aber nicht zwangsläufig zur Lösung der Probleme beitragen: In Großbritannien hatte die Regierung über Northern Rock einen Run auf staatlich garantierte Papiere ausgelöst. Das Anleihen-Angebot wurde schnell wieder zurückgezogen, da das Institut anderen privaten Banken zu viel Wettbewerb machen würde.
Welche Folgen hätte ein Run auf Sparbücher?
Das Beispiel von der Insel zeigt: Man kann auch zu viel des Guten bewirken. Neben negativen sind also auch auf den ersten Blick positive Folgen zu überdenken. Nicht nur von den wirtschaftspolitischen Akteuren, sondern auch von privaten Anlegern: Diese sollten sich mit dem Szenario beschäftigen was passiert, wenn Aktienanleger nur zehn Prozent ihres Kapitals aus den Aktienmärkten abziehen, um es “sicher” auf ihr Sparbuch zu packen?
Immerhin bekämen dadurch Banken wieder frische Mittel und das System könnte sich stabilisieren. Vielleicht. Der Aktienmarkt würde allerdings weiter nach unten rauschen. Sie sehen schon an diesem Beispiel: Jede noch so gut gemeinte Maßnahme oder Äußerung könnte auch mögliche Schattenseiten haben.
Der Leidensweg einer Bank
Die Hypo Real Estate ist nun doch offenbar nicht gerettet, da der private Bankensektor die versprochenen Sicherheiten nicht aufbringen will oder kann. Es sind neue Milliardenlücken bei der Bank aufgetaucht und natürlich will niemand in ein schwarzes Loch investieren, dass die Milliarden einfach wegsaugt. Nach der geplatzten Rettungsaktion hat man in Berlin jetzt offenbar Angst vor einem Panikandrang bei privaten Geschäftsbanken. So kam die Garantie für Sparbücher am Sonntagnachmittag zustande.
Was sich in einem Kommentar wie diesem so einfach schreiben lässt, nämlich eine Bank einfach pleite gehen zu lassen, ist in der Praxis für Politiker und Notenbanker nicht gerade einfach. Am späten Sonntagabend kämpfte der Bundesfinanzminister weiter um die Rettung der HRE. Dennoch könnte die Insolvenz jetzt in geordneter Form anstehen. Zumindest wenn sich die Finanzmarktteilnehmer jetzt nicht doch noch irgendwie einigen können.
Laut Bundesbankpräsident Axel Weber gefährdet ein Zusammenbruch der Hypo Real Estate das deutsche Pfandbriefsystem - einen Markt im Volumen von etwa 900 Milliarden Euro heißt es. Als Sicherheiten dienen bei Pfandbriefen Immobilien oder Staatskredite und der Emittent. Zumindest die letztere Sicherheit könnte sich als wenig werthaltig erweisen. Aber die anderen Sicherheiten stehen weiter. Niemand weiß also was die Folgen einer HRE-Pleite wären.
Die Folgen und ein Ausblick
Der private Bankensektor muss sich jetzt die Frage gefallen lassen, was seine Gegenleistungen für den “rettenden” Staat wären. Wie wäre beispielsweise folgende Regelung: Die Vorstände der gestützten Banken machen Zugeständnisse wie Standortgarantien, oder ihre Institute zahlen freiwillig in den nächsten Jahrzehnten eine Art Solidaritätszuschlag, um die heutige Rettung der Institute durch Gegenleistungen in Zukunft zu kompensieren. So könnten die Aktionäre einen Teil der Schuld den Steuerzahlern zurückerstatten. Neue Regulierungen der Finanzmärkte sind sicher selbstverständlich und dürften sogar in den USA und in Großbritannien jetzt durchsetzbar sein.
Nicht sicher sind die Wirkungen der Rettungspakete auf die Kurse an den Aktienmärkten. Sicher ist: Krachen weitere Banken ein, dann dürften die Börsen weiter beschleunigen und fallen. Was bei einer Bankenrettung an den Aktienmärkten passiert, ist überhaupt nicht ausgemacht.





