Neuerliche Stützungsaktion - Staatshilfe für Dexia


Der angeschlagene Immobilien- und Staatsfinanzierer Dexia soll durch Staatshilfen gerettet werden. Die Beneluxstaaten Luxemburg und Belgien sowie Frankreich sorgen einer Agenturmeldung zufolge für eine Kapitalerhöhung von 6,4 Milliarden Euro.

Frankreich und Belgien tragen mit jeweils drei Milliarden den Hauptteil der finanziellen Lasten. Neben Luxemburg, das etwas weniger als 400 Millionen Euro beisteuern soll, beteiligen sich auch institutionelle Anleger und die Regionen an der Stützungsaktion.

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Black Monday 2008: Der große Crash


Es ist eine der meiststrapazierten Metaphern der Wirtschaftspresse: Die Rede von historischen Zeiten. Nun jedoch sind sie wirklich da. Was wir in den vergangenen zwei Wochen an der Wall Street miterlebt haben, verdient nicht weniger als diese Bezeichnung: Es sind Tage von geschichtsträchtigem Ausmaß.

In einer einzigartigen Schieflagenserie ist die gesamte Investmentbanking-Szene zusammengebrochen: Einige der einst hochgehandeltesten Sterne der Wall Street gingen krachend pleite (Lehman Brothers) oder wurden not- oder teilverkauft (Merrill Lynch, Morgan Stanley). Und selbst Goldman Sachs, der Star der Branche, wurde am Ende nur noch taumelnd in den Armen Warren Buffetts aufgefangen – und verlor den Investmentbank-Status.

Wer jedoch am Wochenende nach der turbulentesten Woche seit den Verwerfungen des 11. Septembers 2001 dachte, damit wäre das Schlimmste vorbei, erlebte am gestrigen Montag sein blaues Wunder. Hier kam nun schließlich der Schwarze Montag, den Anleger seit der Lehman-Pleite vor 14 Tage befürchtet hatten. Um unfassbare 777 Punkte stürzte der Dow Jones Industrial Average nach den überraschenden Scheitern des 700-Milliarden-Dollar-Rettungsplans in die Tiefe – so tief wie nach Punkten noch nie innerhalb eines Tages.

Dieselben Negativrekorde mussten Aktionäre auch im marktbreiten S&P 500 Index und an der Technologiebörse Nasdaq verkraften, die beide um 9 Prozent einbrachen. Prozentual betrachtet sind es die schlimmsten Einbrüche seit dem Platzen der Technologieblase im März 2000 (Nasdaq) bzw. seit dem Jahrhundert-Crash von 1987 (S&P).

Schwerster Einbruch seit 1987

Damit befinden sich die amerikanische Aktienmärkte nicht länger in einer Krise – und auch nicht länger in einer Korrektur: Sie befinden sich mitten im Crash. Und tatsächlich im schlimmsten Crash seit 1987, nur dass sich dieser nicht an einem Tag ereignet, sondern scheibchenweise auf mehrere Tage verteilt. Seit Anfang September haben die Märkte die folgt verloren:

• Dow Jones: 11 Prozent

• S&P: 14 Prozent

• Nasdaq: 17 Prozent

Unter der Oberfläche geht der Aderlass weiter: Anleger lernen vielleicht zum ersten Mal in ihrer Börsenkarriere, wie schnell und gnadenlos mit der Anlageklasse der Aktien Werte vernichtet werden können. Der Finanzsektor, über acht Jahrzehnte eines der konservativsten Segmente, hat im vergangenen Jahr die vermutlich einzigartigste Pleite- und Bereinigungsserie in ihrer Jahrhunderte langen Geschichte erlebt. Neben den zahlreichen Insolvenzen und Notübernahmen sind auch die verbliebenen Player hart zurechtgestutzt worden. Es gibt fast keine namhafte Bankaktie mehr, die seit Beginn der Subprime-Krise nicht zumindest die Hälfte ihres Marktwertes eingebüßt hat.

Massiver Ausverkauf auch im Technologiesektor

Doch auch andere ausgewählte Blue Chips halbieren sich – und zwar im Rekordtempo. So etwa im Technologiesektor, wo Blackberry-Hersteller Research in Motion mal eben 40 Prozent seine Börsenwertes in zwei Handelstagen hergeben musste, nachdem die Quartalsgewinne die Analystenschätzungen marginal verfehlt hatten. Auch Technologie-Schwergewicht Apple büßte im September fast als 40 Prozent seiner Marktkapitalisierung ein, nachdem Analysten Kursziele und ihren Prognosen der problematischen konjunkturellen Lage anpassten. Gerade die Kursmassaker bei Apple und RIM mit Verlusten von mehr als 20 Prozent an einem Handelstag unterstreichen, welches erstaunliche Ausmaß der jüngste Ausverkauf inzwischen erreicht hat. Längst regiert die nackte Panik oder – was, manchmal dasselbe ist – der bloße Wille, zu überleben, der über den Sell-Button Ausdruck findet.

Die daraus resultierenden Bewertungsniveaus sind dabei so vermeintlich attraktiv sind wie nie in diesem Jahrzehnt. Wachstumswerte wie RIM, Apple oder Google, für die Anleger vor einem Jahr noch Multiplen zwischen 35 und 60 zu bewilligen bereit warten, werden nun mit KGVs von 15 bis 20 gehandelt. Für Dax-Blue Chips wie Daimler oder die Allianz, die – noch immer – Milliarden Euro verdienen, sind Anleger nicht einmal mehr bereit, die Hälfte zu bewilligen. Dax-Aufsteiger K+S, der seinen Gewinn 2008 bislang mehr als vervierfachen konnte, wird, kommt inzwischen gar auf ein KGV unter 7. Wenn das keine Schnäppchen sind, was denn?

Die Rezession wird eingepreist

Der Markt suggeriert, es sind schlicht die falschen Multiplen. Mit den gegenwärtig drastischen Preisabschlägen unterstellen Aktionäre nicht nur eine Verlangsamung des Wachstums, sondern zum Gutteil ein Ausbleiben und damit gleichzeitig  ein Abgleiten in die Rezession – so kräftig und dramatisch wie seit vielen Jahrzehnten nicht mehr.  Auch reinrassige Wachstumschampions können da nicht mehr gegenansteuern, glauben Analysten und stutzten gestern entsprechend die 2009er-Prognosen von Apple zurecht.

Das Spiel dürfte in Mode kommen. Die Rezession in den USA ist – obwohl noch nicht statistisch bewiesen – nun Konsens. Sie wird das Börsenjahr 2009 wohl beherrschen. Die Frage ist nicht, ob sie kommt, sondern wie lange sie bleibt und wie schmerzhaft sie wird. Dasselbe gilt auch für Europa, vielleicht um 6 Monate verzögert. Vielleicht aber auch, mit Blick auf die Bundesrepublik, sogar um einige Monate vorgezogen, wenn nämlich klar wird, das auch das dritte Quartal negativ verlaufen ist.

Washington blamiert Bush – und lässt die Wall Street im Regen stehen

Aktionäre preisen die Rezession nun im Rekordtempo ein, die – wenn man die Kurse der letzten Tage für bare Münze nimmt – so schlimm wird, wie seit Jahrzehnten, vielleicht seit der Weltwirtschaftskrise nicht mehr. Exakt das hatte Notenbankchef Alan Greenspan voraus gesagt. Andere Marktauguren wie James Cramer folgen ihm inzwischen: „Ohne den 700-Milliarden-Rettungsplan droht unserer Nation der Kollaps.“

Angesichts dieses Horrorszenarios, das nach dem überraschenden Scheitern im Repräsentantenhaus an der Wall Street nun herumgeistert, stehen Anleger jetzt vor der vielleicht schwersten Entscheidung ihrer Börsenkarriere: Was tun mit den Aktien? Aktuell, soviel ist klar, basiert der jüngste Kurssturz nur auf den schlimmsten Prognosen und der unfassbaren Handlungsunfähigkeit der amerikanischen Politik, die sich weigert, den vielleicht wichtigsten Rettungsplan der letzten Jahrzehnte zu verabschieden, der soviel dringender gebraucht worden wäre, als die fragwürdigen Milliarden-Bewilligungen für den Irak-Krieg oder andere Militär-Etats. Doch es herrscht Wahlkampf in Amerika, und im Wahlkampf ist alles möglich. Auch Possenspiele auf einer Titanic, deren Deck bereits mehr als zur Hälfte unter Wasser steht… 

Disclosure: Der Autor hält Positionen in Apple, Google, K+S und Research in Motion