Postbank: Konsolidierung im Bankensektor
Die Postbank schien keiner haben zu wollen. Dann bieten mit der Deutschen Bank und der spanischen Banco Santander doch zwei Institute. Nach dem Zusammengehen von Commerzbank und Dresdner Bank kommt es jetzt zur Konsolidierung unter deutschen Banken.
In einer Eilmeldung gab die spanische Bankengruppe Santander ein indikatives Gebot für die Deutsche Postbank AG ab. Nach einer sorgfältigen Prüfung, Due Diligence genannt, wollen die Spanier 50 Prozent plus eine der Aktien der Postbank von der Deutschen Post World Net übernehmen. Kurz danach wurde Meldungen zufolge schnell der gesamte Anteil angestrebt. Die Deutsche Bank wollte zunächst nur 29,75 Prozent der Postbank kaufen und später den Rest des Instituts übernehmen. Die Deutsche wollte einen Aufschlag von 20 Prozent auf den letzten Schlusskurs zahlen hieß es.
Finanzminister Peer Steinbrück begrüßte am Tag der zwei Angebote eine Fusion ganz generell auf einer Tagung der Wirtschaftszeitung Handelsblatt: “Wenn es zu einem solchen Zusammenschluss kommt, würde das dem Kriterium entsprechen, das ich für notwendig erachte: Nämlich die Konsolidierung auch bei den privaten Banken stärker voranzutreiben”, sagte Steinbrück am Donnerstag. Ausländische Investoren seien im Grundsatz ebenfalls willkommen hieß es.
Größe zählt
In keiner anderen Branche ist die Bedeutung der Unternehmensgröße derart wichtig wie in der Bankenbranche: Wer zu klein ist, der kann aufgekauft werden oder der leidet unter zu geringem Haftungskapital. In den USA trat der vor Jahresfrist fast undenkbare Ernstfall inzwischen bei zehn Banken ein, die nicht mehr handlungsfähig waren: das Einlagensicherungssystem wurde in Anspruch genommen. Die Krise hat Regionalbanken und naturgemäß Investmentbanken hart getroffen. Darüber hinaus sind die spezialisierten Institute Fannie Mae und Freddy Mac auf dem Weg in die Arme des Staates. In der aktuellen Krise kam es immer wieder zu dem Problem, dass Bankinstitute mit ihrer Liquidität und ihrem Eigenkapital nicht hinkamen. Zwar ist Größe kein Komplettschutz wie die Schwierigkeiten der Citigroup zeigen, aber je größer ein Institut ist, desto besser können Krisen wie die aktuelle Vertrauenskrise gemeistert werden.
Die Konsolidierung wurde bei einigen Landesbanken (SachsenLB, WestLB) bereits zwangsweise herbeigeführt. Natürlich wäre es besser gewesen, wenn diese Fusionen aus der Stärke heraus zustande gekommen wären. Aber das ist zumindest bei öffentlich rechtlichen Banken ein sehr frommer Wunsch. Zu viele lukrative Jobs verschwinden schließlich bei solchen Konsolidierungsprozessen. Man kann das Beharrungsvermögen von etablierten Strukturen im Bankensektor übrigens immer noch in den vielen Landeszentralbanken beobachten. Von alleine ändert sich hier in den nächsten Jahren sicherlich gar nichts. Bei Landeszentralbanken muss die Politik endlich handeln.
Weniger ist oft mehr
Für Kunden ist eine Konzentration nicht immer nur ein Verlust an Wettbewerb und Anlagemöglichkeiten. Nimmt man beispielsweise die Vielzahl an Investmentfonds und Zertifikateprodukten so dürfte für den Kunden eine Zusammenlegung ähnlicher Produktgruppen der Fusionspartner von Vorteil sein. Schließlich zählt auch bei Investmentfonds die Größe, um ein wirtschaftliches Management zu ermöglichen. Die größeren, konsolidierten Institute können also den Anlegern durchaus Vorteile bescheren. Und vielleicht wird die Produktlandschaft etwas gestraffter daherkommen in Zukunft.
Das große Bild
Natürlich kämpfen Mitarbeiter aus der Bankenbranche um ihre Jobs, denn bei jeder Fusion fallen auf Dauer Arbeitsplätze weg. Interessant ist aber die Fusion mit der Postbank, die gar keine so beratungsintensive Struktur aufweist in jedem Fall. Schließlich ist die Postbank die kundenstärkste deutsche Bank mit zuletzt mehr als 14,5 Millionen Kunden. In Amerika sieht es im Bankensektor deutlich dramatischer aus: An der Wall Street verlieren zurzeit Investmentbanker und Juristen tausendfach ihre Jobs.
Gespannt sein darf man auch wie die Deutsche Bank die vielen Neukunden behandeln will: Privatkunden sind zwar aufwändiger als Investmentbanking, aber Einnahmen aus diesem Sektor sind viel verlässlicher zu planen. Die Deutsche Bank krankte in diesem Zusammenhang immer noch etwas an ihrer ehemals einseitigen Ausrichtung auf das vormals lukrative Investmentbanking. Durch die Postbank wünscht die Deutsche Bank demnächst vielleicht wieder Kontakt zu mehr Privatkunden. Diesmal sollte sich das größte deutsche Institut jedenfalls vor einer Kundenklassifizierung wie bei dem Segmentierungsversuch in Deutsche Bank/ Bank 24 hüten.
Bekannt ist, dass es in Deutschland zu viele Institute gibt, die kaum sämtlich genügend wirtschaftlich arbeiten können. Der Konsolidierungsprozess hat gerade mit den großen Playern der Branche begonnen. Viel spannender könnte in den nächsten Monaten die weitere Konzentration bei kleinen und mittleren Instituten werden
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