Marktrückblick August 2008: Die Angst im Nacken
Offener Schlagabtausch mitten in der Sommerpause: Wie schon im Vormonat ging das Auf und Ab an den Weltbörsen ungebremst weiter. Immerhin: Während die Wall Street im August schwächer tendierte, gelang den deutschen Aktienindizes ein kleines Comeback. Die weiteren Aussichten bleiben jedoch eingetrübt.
Was für ein Unterschied doch ein Sommer machen kann. Rund ein Jahr ist es her, dass der der Deutsche Aktienindex erstmals seit 2000 wieder ein neues Allzeithoch aufstellen konnte. Bei 8151 Zählern markierte das wichtigste Kursbarometer der deutschen Aktienmärkte Mitte Juli schließlich eine neue Bestmarke, auf die Anleger hatten so lange warten müssen.
Entsprechend euphorisch feierten dann auch die sogenannten Marktexperten die “Super-Börsen” (Anlegermagazin “Börse Online”). “Der Aufschwung wird auch über das Jahresende hinaus tragen, mit etwas Glück bis ans Ende des Jahrzehnts”, mutmaßte etwa Hans-Werner Sinn, Chef des Münchner ifo-Instituts. Ulrich Hocker, Chef der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), machte Kleinaktionären dann auch auf weitere Kurssteigerungen Hoffnung: “Wenn die Wirtschaft weiter so gut läuft wie bisher, dann sehe ich im Moment keinen Grund, dass es nicht weiter nach oben gehen sollte”, erklärte er der “Berliner Zeitung”. Und auch der Deutsche Bank-Chefstratege Klaus Martini ließ sich Mitte letzten Jahres noch zu den verhängnisvollsten Worten der Börse hinreißen: “Diesmal ist alles anders”, erklärte Martini gegenüber manager-magazin.de
Ein Jahr später ist es tatsächlich anders – aber nicht so, wie gewünscht. Sie Stimmung hat um 180-Grad umgeschlagen: “Auf Dur folgt Moll“, wie es beim Börsenaltmeister André Kostolany so schön heißt. Und Wie! Rund zwölf Monate später erntet Martini größtmöglichen Widerspruch – und das aus dem eigenen Haus: “Die Rezession ist kaum noch abzuwenden”, wurde der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, erst am Wochenende zitiert – wohl gemerkt: die Rezession in Deutschland.
Entsprechend verschreckt agierten Anleger auch weiterhin im August. Selbst ein unerwartet günstiger Vorzeichenwechsel an den Rohstoff- und Devisenmärkten vermochte den Börsen keinen Auftrieb zu geben. Die Rallye, die der drastisch fallende Öl- und Dollarpreis entfacht hatte, wurde postwendend wieder verkauft. So blieb dem Dax am letzten Freitag nur das symbolische Plus von 4 Punkten – bei 6422 Zählern ging die erste deutsche Börsenliga praktisch unverändert aus dem Handel. Seit Jahresbeginn bleibt der deutsche Blue-Chip-Index damit tief im Bärenmarktmodus – in den bisherigen 8 Monaten fiel ein dickes Minus von 21 Prozent an.
Deutsche Aktienindizes: MDax und TecDax mit furiosem Comeback – SDax Schlusslicht
Um einiges robuster als die deutschen Standardwerte hatten im laufenden Jahr die Nebenwerte performt. Nach einem rabenschwarzen Vormonat konnte der Midcap-Index im August in die Erfolgsspur zurückfinden. Nach einem Plus von fast 400 Punkten oder knapp 5 Prozent schloss der MDax im August bei 8682 Punkten. Seit Jahresbeginn bleibt ein Minus von 12 Prozent. Doch schon um einiges größer sind die Kursverluste, die der Kleinstwerteindex SDax seit Jahresbeginn angehäuft hat – nämlich 22 Prozent. Bei nur noch 4119 Zählern ging der Smallcap-Index im August schließlich sogar rund 1 Prozent leichter aus dem Handel.
Eine wahre Glanzleistung gelang dagegen dem Star des vergangenen Jahres unter den deutschen Aktienindizes, der in den ersten Monaten dieses Jahres noch am meisten unter die Räder gekommen war. Vor allem angetrieben durch die wieder erstarkten Solarwerte konnte der TecDax ein furioses Comeback feiern: Fast 8 Prozent legte der Nemax-50-Nachfolger im August zu, um wieder bei 827 Punkten den Monat zu beenden. Seit Januar liegt der deutsche Technologieindex damit nur noch um 15 Prozent im Minus – und hat sich damit binnen eines Monats zum zweitbesten Index an der Deutschen Börse entwickelt.
Internationale Börsen: Krisengewinner Wall Street – Krise, welche Krise?
In weitaus weniger beeindruckender Form präsentierten sich dagegen die US-Börsen, denen es aber erneut gelang, den August im positiven Terrain zu beenden. Die amerikanische Technologiebörse Nasdaq Composite ging bei 2368 Zählern aus dem Handel – ein Zugewinn von immerhin knapp 2 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Der marktbreite Dow Jones Industrial Average machte es seinem Pendant vom Times Square nach – und gewann ebenfalls knapp zwei Prozent an Wert. Bei nunmehr 11.544 Punkten notiert der traditionsreichste Index der Welt jedoch weiter 13 Prozent unter dem Startniveau vom Januar.
Nach wie vor nichts verdienen konnten Anleger, die in den vergangenen Monaten europäischen Aktien in der Breite die Treue gehalten hatten: Dem EuroStoxx50 gelang das fragwürdige Kunststück, auf exakt demselben Indexstand wie im Vormonat aus dem Handel zu gehen – nämlich bei 3367 Zählern. Seit Jahresbeginn lastet damit noch immer ein Minus von happigen 23 Prozent auf dem wichtigsten europäischen Index.
Die zuletzt wieder erstarkten japanischen Aktienmärkte gaben dagegen leicht nach: Der Nikkei 225 ging bei 13.073 Zählern mit einem Minus von rund 2 Prozent aus dem August. Seit Jahresbeginn bleibt damit ein halbwegs achtbares Minus von 15 Prozent. Auf der in den Vorjahren noch weitaus erfolgreicheren chinesischen Halbinsel Hongkong fielen dagegen erneut kräftige Verluste an: Der Hangseng-Index ging am vergangenen Freitag bei 21.262 Punkten aus dem Handel – happige 1600 Punkte oder rund 7 Prozent schwächer als im Vormonat. Seit dem 31.12.2007. summierte sich das Minus damit schon auf deftige 26 Prozent.
BRIC-Märkte: Krachende Verluste rund um den Globus
Richtig hart getroffen wurden im August unterdessen die viel zitierten BRIC-Märkte , die Anleger in den Vorjahren noch so fasziniert hatten:
• Die brasilianische Börse, die im ersten Halbjahr 2008 noch so überraschend positive Akzente gesetzt hatte, gerät immer heftiger in den Abwärtssog der Rohstoffmärkte. So musste der Leitindex Bovespa im vergangenen Monat das nächste dicke Minus verkraften – nämlich nochmals Abschläge in Höhe von 7 Prozent. Der wichtigste südamerikanische Aktienindex beendete den August damit auf der Marke von nur noch 55.680 Zählern – zwanzig Prozent schwächer als zu Jahresbeginn.
• Dasselbe Bild – nur um einiges beschleunigt – war auch an den russischen Aktienmärkten zu beobachten: Im Zuge des fallenden Ölpreises und der militärischen Intervention in Georgien ging die rohstofflastige russische Börse in die Knie. Der Leitindex der Börse Moskau RTS brach diesmal sogar um krachende 16 Prozent ein und liegt damit nun nur noch bei 1646 Punkten - dadurch damit seit Januar nunmehr bereits um 34 Prozent hinten.
• Besitzer von indischen Aktien sind solchen Kummer 2008 bereits gewohnt. Umso erfreulicher, dass der Leitindex Sensex in dem schwierigen Börsenumfeld der vergangenen Wochen gegen den Markttrend wieder zulegen konnte – wenn auch nur moderat. Am Ende der vergangenen Woche notierte die Börse Bombay immerhin wieder bei 14.565 Zählern – ein eher symbolisches Plus von 1 Prozent wurde damit in den vergangenen 30 Tagen erzielt. Seit Januar liegt der Leitindex der indischen Aktienmärkte aber weiterhin um knapp 28 Prozent hinten.
• Den unerreichten Negativrekord 2008 halten dagegen weiter die für zwei Jahre so enorm haussierenden Festlandbörsen in Shanghai und Shenzhen. Ungeachtet der Olympischen Spiele setzten sich die erdrutschartigen Abschläge des Vormonats im maßgeblichen Shanghai-A-Index im August nämlich ungebremst fort: Bei nur noch 2397 Punkten stoppte das Kursbarometer letzten Freitag - weitere 14 Prozent schwächer. Seit Jahresbeginn bleibt das unfassbare Minus von mehr als 57 Prozent.
Mini-Crash an den Rohstoff- und Devisenmärkten: Öl, Gold, Euro brechen weg
Maßgeblicher Auslöser der krachenden Kurseinbrüche der Schwellenländerbörsen waren die schwersten Verluste an den Rohstoffmärkten, die tatsächlich so heftig ausfielen wie seit 1980 nicht mehr. So ging dem Goldpreis nach einem volatilen Auf und Ab der Vormonate komplett die Luft aus. Die Feinunze wurde somit per Ende August bei 830 Dollar gehandelt. Damit haben die Goldbullen seit Jahresbeginn wieder alle Gewinne abgegeben.
In dieselbe Richtung tendiert auch der Ölpreis, der bis zur Jahresmitte noch die einzigartige Erfolgsgeschichte der vergangenen Monate gewesen war. Nach einer schier unendlichen Rallye befinden sich die Rohölnotierungen an der New Yorker Warenterminbörse Nymex nun weiter im Sinkflug. Nach einem vorläufigen Top bei 145 Dollar ging ein Barrel (159 Liter) der amerikanischen Leichtölsorte Light Sweet Crude schließlich am Freitag vergangener Woche bei genau 115 Dollar aus dem Handel – ein Minus von nochmals rund 8 Prozent im Vergleich zu Monatsbeginn.
In fast ähnlichen Dimensionen ging es an den Devisenmärkten bergab: Der Euro, der im ersten Quartal des Jahres kräftig zugelegt und dann stagniert hatte, gab überraschenderweise fast alle Zugewinne des Börsenjahres ab. Ende Juli ging die europäische Gemeinschaftswährung schließlich mit einem krachenden Minus von rund 6 Prozent aus dem Handel – nämlich bei exakt 1,4701 Dollar.
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