Märkte: Richtungsloser Sommerhandel


Immerhin: Nach zwei verlustreichen Wochen konnten die deutschen Aktienmärkte in den letzten Handelstagen wieder verlorenes Terrain zurückgewinnen – zumindest etwas. Der relativ impulslose Sommerhandel dürfte mit Beginn des Septembers nun enden. Für den ersten Paukenschlag sorgte gestern Abend eine Großübernahme im Bankensektor: Die Commerzbank übernimmt die Dresdner. 

 

Es war kein guter Sommer. Weder an den Freibädern, Biergärten und Stränden der Republik – noch an den Aktienmärkten. Bei über 7000 Punkten notierte der deutsche Aktienindex (Dax)  noch Anfang Juni, als der Sonnenschein so vielversprechend Hoffnung auf die schönste Jahreszeit machte. Davon ist nicht viel geblieben. Der Sommer fiel größtenteils ins Wasser, und auch die deutschen Aktienindizes tauchten ab.     

 

Nun zum Ausklang noch einmal glückliche Tage. Das Wochenende versöhnte die leidgeprüften Bundesbürger, und auch die letzten Handelstage konnten zumindest etwas versöhnlicher stimmen. Bei 6422 Punkten ging der deutsche Blue-Chip-Index am Freitag aus dem Handel – immerhin 80 Punkte oder rund 1 Prozent stärker als noch in der Vorwoche. Dennoch bleibt seit Januar ein kräftiges Minus von rund 20 Prozent.   

 

Deutsche Aktienmärkte: MDax setzt sich ab

 

Immer weiter von dieser Marke setzt sich dagegen der Nebenwerte-Index ab, der lediglich 12 Prozent unter Januarniveau liegt. Der MDax ist im laufenden Börsenjahr damit weiter bester deutscher Index und bewies in den vergangenen Handelstagen, warum. Am Freitag ging der Midcap-Index nämlich deutlich stärker aus dem Handel – bei 8671 Zählern, stolze 260 Punkte oder rund 3 Prozent fester als in der Vorwoche.

 

Nur leicht Richtung Norden tendierten dagegen die Kleinstwerte: So ging der SDax  bei 4119 Zählern aus dem Handel, rund 1 Prozent höher als noch 7 Tage zuvor. Seit Jahresbeginn liegt der deutsche Smallcap-Index  inzwischen allerdings um 21 Prozent hinten.

 

Wie schon seit einem Monat geht damit die rote Laterne im Börsenjahr 2008 an den SDax. Der lange Zeit Klassenletzte, der TecDax,  setzte seine Aufholjagd unterdessen fort. Angetrieben von der Stärke der Solarwerte legte der Nemax50-Nachfolger in den letzten 5 Handelstagen abermals stärker zu als der Markttrend – diesmal um weitere  2 Prozent!  Bei 827 Zählern liegt der deutsche Technologieindex 2008 nun nur noch 15 Prozent hinten und ist damit aktuell weiter das zweiterfolgreichste deutsche Kursbarometer.  

 

US-Börsen: Nasdaq schwächelt

 

Damit konnte der TecDax sogar den Vorgaben aus den USA trotzen. Die amerikanische Technologiebörse Nasdaq, die in den letzten Wochen noch so durch Stärke aufgefallen war, musste in den vergangenen Handelstagen einen kräftigeren Rücksetzer verkraften.  Bei nur noch 2367 Zählern stoppte das Kursbarometer am Times Square am Freitag. In der Vorwoche hatte der Indexstand noch bei 2415 Punkten gelegen – das entspricht einem Abschlag von zwei Prozent. Vor allem die Schwergewichte Apple und Research in Motion mussten in den vergangenen Tagen kräftig Federn lassen.  Seit Jahresbeginn hat sich das Minus damit wieder auf 11 Prozent summiert.

 

Ebenfalls im Rückwartgang befand sich zuletzt der traditionsreichste Index der Welt. Der Dow Jones Industrial Average konnte sich jedoch deutlich besser behaupten  als die Technologiebörse und gab in der letzten Handelswoche gerade mal ein halbes Prozent an Wert ab, um bei 11.544 Punkten die Woche zu beenden. Seit Jahresbeginn liegt der Dow damit nunmehr mit einem Minus von 13 Prozent hinten.

 

Kommende Woche: Index-Umstellung steht an

 

Wohin die Reise in den kommenden Handelstagen an den Aktienmärkten geht, ist nach wie vor ungewiss. Klar ist jedoch: Mit dem heutigen Labourday, an dem US-Börsen traditionell geschlossen sind, geht Ende die Urlaubssaison zu Ende. Der dünne Handel der vergangenen Woche dürfte dann wieder an Fahrt gewinnen. Für Impulse dürfte auch ohne die abgelaufene Quartalssaison gesorgt sein. Nach dem  glamourösen Nominierungsparteitag der Demokraten steht nun das Event der Republikaner an, das schon heute beginnen sollte. Vielleicht aber auch nicht: Denn nach dem Aufkommen des Hurrikans Gustav, der heute auf New Orleans treffen soll, erwägt der Präsidentschaftskandidat John McCain den Parteitag im letzten Moment noch abzusagen.

 

Schlagzeilen ganz anderer Art haben am Vorabend des neuen Wochenbeginns auf der anderen Seite des Atlantiks bereits zwei Großbanken geliefert. Nach monatelangen Verhandlungen wird nun die Commerzbank die angeschlagene Allianz-Tochter Dresdner Bank übernehmen. Als Kaufpreis kursierte Sonntagabend die Summe von 9,8 Milliarden Euro. Damit geht eine siebenjährige Odyssee unter dem Dach des größten deutschen Versicherungskonzerns zu Ende, bei der niemand so richtig glücklich zu werden schien – vor allem nicht die leidgeprüften Allianz-Aktionäre. Mit entsprechender Spannung wird nun am Montag die Marktreaktion auf die Großübernahme erwartet.  

 

Ebenfalls ein beherrschendes Marktthema dürfte die Entscheidung des Arbeitskreises Aktienindizes der Deutschen Börse sein, der Mitte der Woche ansteht. K+S und Salzgitter gelten als aussichtsreichste Kandidaten auf einen Dax-Aufstieg. Gesamtvolkswirtschaftlich dürften Anleger vor allem Freitag gebannt über den großen Teich schauen, wenn die Bekanntgabe der neuen Arbeitsmarktdaten ansteht. Marktexperten rechnen mit einem weiteren Jobabbau.  

 

Disclosure: Der Autor hält Positionen in Apple, K+S und Research in Motion

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