Warnung: Gulfside Minerals - das Spiel läuft wie immer
Unternehmen, die an der Börse notieren, müssen Fragen beantworten. Tun sie das nicht ausreichend, sollten Anleger lieber ins Spielkasino gehen, als ihr Geld in solch ein Unternehmen zu investieren. Wer das Spiel kennt, kann mitzocken: bei hohem Risiko.
Der Aktienkurs von Gulfside Minerals ist meines Erachtens eine Erfindung der Zockergilde in Deutschland und Kanada. Das Unternehmen betreibt drei Projekte in der Mongolei: Gulfside Minerals sucht dort nach Öl, Gas, Kohle und Uranium, also all den Rohstoffen, die Anlegerherzen höher schlagen lassen und den Verstand ausschalten.
Nach Berichten der eigenen Homepage wird kaum Geld in die Hand genommen, um dort tatsächlich etwas zu finden. Die Kosten im Jahr 2005 betrugen weniger als das Gehalt eines Vorstands normalerweise ausmacht. Das Unternehmen fährt seit Jahren regelmäßig Verluste ein.
Weitere Fragezeichen
Die Story hinter dem Unternehmen ist auf der Homepage nicht einmal gut dargestellt. Viel interessanter ist bei dieser Gesellschaft allerdings der Vorstand: Chef ist Robert L. Card, der schon Erfahrung mit Unternehmen ähnlicher Kategorie hat.
Netterweise bietet die Gesellschaft einen direkten Kontakt zum Vorstandschef, dessen Mailadresse als Kontakt dient. Auf Wallstreet Online findet sich hierzu die berechtigte Frage eines Users: Warum hat der Vorstandschef eigentlich Zeit, e-Mails zu beantworten?
Ohnehin dient das Board von Wallstreet-Online offenbar einigen Nutzern als Plattform, um die Aktie kräftig zu pushen. Kritische User werden dort als “Basher” (Englisch für Schläger) beschimpft.
Aktivitäten
Die Unternehmensführung legt mehr Wert auf die Pflege des Aktienkurses als auf den eigentlichen Unternehmenszweck. Dabei ist die Firma sehr aktiv in der eigenen Informationspolitik.
Außerdem gibt die Gulfside Minerals gerne weitere Aktien aus. Im Report Juni 2006 waren über 17,8 Millionen Aktien ausstehend. Danach sind noch etwa vier Millionen hinzugekommen. Das Unternehmen bezahlt seine Ausgaben teilweise mit Aktien. Genau hier liegt der sprichwörtliche Hase im Pfeffer. Die Gesellschaft kann nur mit der vagen Hoffnung existieren, dass der Aktienkurs weiter steigt und Investoren auf die Geldillusion setzen.
Die Frage ist nur, wer glaubt daran? Nun vor allem Altaktionäre, die den Push der Aktie massiv betreiben. Wieso wurde eigentlich die Aktie auch in Deutschland notiert? Vermutlich liegt das daran, dass der deutsche Aktienmarkt für Pennystocks als Zockerparadies schlechthin gilt. Kanada und Deutschland pushen sich gegenseitig hoch, bis das Spiel ein Ende hat. Vermutlich ist dieser Zyklus genau dann beendet, wenn alle Aktien der Alteigentümer den Besitzer gewechselt haben und die Altaktionäre aus dem Unternehmen ausgestiegen sind. Dann lässt die Häufigkeit der Berichterstattung nach, und die Karawane zieht weiter. Irgendwer hat Geld verloren, aber wen kümmert das schon.
Der Aktienkurs
Der Aktienkurs der Gulfside Minerals ist zurzeit im Börsenhandel ausgesetzt. Angeblich, da man tolle Neuigkeiten zu melden hat.
Der Aktienkurs des Unternehmens kann durchaus noch steigen ? solange genügend Neuinteressenten gefunden werden können. Aber wenn es bergab geht, dann hat kaum noch ein Anleger die Chance zu einem akzeptablen Preis wieder auszusteigen. Die Aktien bilden dann die Leichen in den Depots einiger unbedarfter Anleger, die auf schlechte Ratgeber gehört haben oder ihre Gier nicht im Zaum halten konnten.
Ein Rat für Anleger
Aktien sollte man nur bei genügender und überzeugender Informationslage kaufen. Gulfside Minerals veröffentlicht nicht einmal einen nachvollziehbaren Investitionsplan für die nächsten Jahre. Die Kosten stehen in keinem Verhältnis zu den angeblichen Aktivitäten des Unternehmens in der Mongolei. Wie passt das zusammen? Gar nicht.
Hoffnung ist für Investoren kein guter Ratgeber. Auch sollten sich Anleger immer fragen, wer warum eine Aktie empfiehlt: Börsenbriefe und andere Empfehlungswerke müssen regelmäßig ihren Abonnenten beweisen, dass sie ihr Geld wert sind. Daher sind Empfehlungen von sogenannten “Analysten” dieser Publikationen zumindest mit Vorsicht zu genießen.
Hinterfragen Sie einmal die Qualifikationen dieser Aktienexperten. Sie sind Teil des Spiels mit Pennystocks. Ich gehe von folgender Vermutung aus: Keiner von diesen Experten war jemals in der Mongolei und hat sich die Bohraktivitäten des Unternehmens angeschaut. Keiner dieser Analysten ist jemals mit konkreten Zahlen dieses Unternehmens in Verbindung gekommen. Aber genau solche Dinge tun Analysten von Aktienfonds und anderen Investmentgesellschaften normalerweise. Sie prüfen Angaben, und das kostet die Fondsgesellschaften viel Geld. Sie sind hochqualifiziert und daher ist ihre Empfehlung etwas wert. Wer als Analyst Gulfside Minerals empfiehlt, dessen Qualifikation steht zumindest in Frage.






