Die Besten aller Welten (4): Rohstoffe ? Goldgräberstimmung rund um den Globus


Im Zuge der Immobilien- und Kreditkrise befinden sich die Aktienmärkte am Scheideweg: Es gibt klare Verlierer, Marktperformer ? und erstaunliche Gewinner. Heute im vierten und letzten Teil einer mehrteiligen Serie über die Branchen, Regionen und Anlageklassen der Stunde ? Rohstoffe.

Es scheint tatsächlich so einfach zu sein: “Die Welt ändert sich nicht so sehr“, verkündete Rohstoff-Guru Jim Rogers vor eineinhalb Jahren anlässlich der Einführung seines Market Access Jim Rogers International Commodity Index Funds ? einem ETF auf Rogers eigenen Rohstoff-Index RICI.

Was die inzwischen fast 65-jährige Investmentikone damit meint, ist eine Binsenweisheit jedes VWL-Erstsemestlers: “Die Rohstoffhausse basiert ganz einfach auf einem Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage”, brachte Rogers das Phänomen schon vor Jahren in seinem Standardwerk “Hot Commodities” auf den Punkt, das er mit dem gut gemeinten Ratschlag “Get ?em before they?re hot” signierte.

>> Allzeithochs allgegenwärtig: Rohstoffe haussieren

Wie gut dieser Ratschlag tatsächlich wahr, beweist ein Blick auf die Rohstoffmärkte, die trotz einiger empfindlicher Korrekturen weiter haussieren. Gleich fünf der wichtigsten an den Terminmärkten gehandelten Rohstoffe verzeichneten in den letzten Monaten neue Allzeithochs und legten seit Anfang des Jahres wie folgt zu:

? Blei: + 130 Prozent
? Zinn: + 40 Prozent
? Platin: + 25 Prozent
? Soja: + 40 Prozent
? Weizen: + 70 Prozent

Auch bei den anderen Industrie- und Edelmetallen gab es seit Jahresbeginn fast durch die Bank Kursgewinne zu bestaunen. Obschon noch immer etwa 15 Prozent unter seinem 27-Jahreshoch, holte auch der Goldpreis seit Januar wieder an Boden auf und notiert im laufenden Jahr um 17 Prozent im positiven Terrain. Kupfer notiert nach einer 33-Prozentrally gar nur noch weniger als zehn Prozent unter den erst im letzten Jahr aufgestellten Allzeithochs.

>> Minenwerte: Kurszuwächse wie Technologie- und Solaraktien

Noch beeindruckendere Zuwächse waren indes bei den Rohstoff fördernden Gesellschaften zu verzeichen. Aktionäre von Minen- und Bergbaukonzernen konnten sich seit Jahresbeginn über diese beachtlichen Kursaufschläge freuen (Prozentsteigerungen in Euro gemessen):

? Xstrata: + 30 Prozent
? Anglo American: + 43 Prozent
? Rio Tinto: + 56 Prozent
? BHP Billiton: + 94 Prozent
? Freeport McMoran: + 105 Prozent
? Companhia Vale Do Rio (CVRD): + 114 Prozent
? Southern Copper: + 132 Prozent

Vor allem nach der Zinssenkung reagierten die Minenwerte mit einem wahren Kursfeuerwerk: Southern Copper, FreePort und Companhia Vale Do Rio verbuchten dabei seit dem Zwischentief am 16. August Kurssteigerungen von 60 bis zu unglaublichen 95 Prozent (CVRD) ? und können es somit problemlos mit den Kurszuwächsen der Apples, Research in Motions, Baidus oder Q-Cells?, ErSols und Solons dieser Börsenwelt aufnehmen!

>> Rogers: Zinssenkung befeuert Rohstoffaktien

Für Rohstofflegende Jim Rogers kommt das natürlich nicht überraschend. Die Zinssenkung werde die Rohstoffpreise vor allem im Agrarsektor raketengleich nach oben befördern, erklärte Rogers Ende September gegenüber dem Finanznachrichtensender Bloomberg. “Die Clowns in Washington haben signalisiert, dass sie sich nicht um den Dollar scheren”, erklärte der einstige Partner von George Soros in seiner charakteristisch unverblümten Art. Die Zinssenkung sei ein Fehler gewesen, machte Rogers deutlich.

Die Folgen spielten den Rohstoffmärkten in die Karten: Der rapide Dollarverfall ließ die in Dollar geführten Rohstoffnotierungen reflexartig nach oben schnellen. Der Goldpreis verteuerte sich seit der Zinssenkung am 18. September lehrbuchmäßig, zumal im Zuge eines gelockterten Leitzinsniveaus die Inflationsrisiken steigen. Gegen die gilt Gold jedoch bekanntermaßen als “sicherer Hafen”. Entsprechend hat sich das edle Metall seit der Senkung des Diskontsatzes am 17. August um 13 Prozent verteuert.

>> Übernahmefantasie beflügelt Minenwerte zusätzlich ? Aloca enttäuscht

Dass die Aufschläge bei den Minenwerten umso heftiger ausfielen, ist für Martin Siegel indes nur allzu logisch. “Wir haben hier eine musterhafte Entwicklung: Minenaktien reagieren auf Veränderungen der Edelmetallnotierungen mit Hebel”, erklärt der Fondsmanager des PEH Q Goldmines gegenüber der Tageszeitzung “Die Welt”.

Als zusätzlicher Treiber für Kursgewinne kommt Aktionären von Bergbauunternehmen ebenso die ungebrochene Übernahmefantasie zupass. Allein im vergangenen Jahr gingen Fusionen und Übernahmen in der Größenordnung von 120 Milliarden Dollar über die Bühne. Im laufenden Jahr hält die Jagd nach Akquisitionszielen an: Erst im Juli schnappte Rio Tinto Alcoa den Alumiumhersteller Alcan weg. Kaufpreis: Stolze 38 Milliarden Dollar.

Dass in der realen Wirtschaft indes im prognostizierten Superzyklus der Rohstoffmärkte auch etwas schief gehen kann, mussten Anleger erst gestern erstaunt feststellen. Alcoa eröffnete turnusmäßig die amerikanische Quartalssaison und enttäuschte dabei: Der Dow Jones-Konzern musste im vergangenen Quartal einen Umsatzrückgang von knapp 250 Millionen Dollar ausweisen und konnte den Nettogewinn lediglich um drei Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum steigern ? vor allem dank Sonderpositionen und Beteiligungsverkäufen. Der Nachsteuergewinn sank dagegen tatsächlich um 14 Prozent ? ein Boom liest sich anders.

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